Ein Artikel von Yannick Eckl (Blogschrott.net)
Der Ärger rund um Flickr ist groß, sehr groß sogar. Denn mit der Eröffnung von internationalen Filialen kam auch der "Flickr-Filter", welcher es Benutzern aus Singapur, Hongkong, Korea und Deutschland verwehrt, Fotos anzusehen, welche als "moderate" oder "restricted" markiert sind. Diese Klassifizierung der Fotos geschieht direkt beim Upload, bei welchem der User genau angeben muss, ob sein Bild normal, "moderate" oder "restricted" ist. Missachtet man diese Klassifizierung, läuft man Gefahr, dass Flickr den kompletten Account inklusive Bilder einfach löscht. Grund für diese Art der Zensur ist die Rechtslage in den genannten Gebieten.
Für den Filter entscheidend ist die Yahoo-ID, mit welcher man sich auf Flickr einloggen kann - aus den IDs lässt sich schließen, wo der User herkommt und wie alt er ist - ist man nämlich 18 Jahre alt, so kann man eingeschränkte Bilder nach einer Warnung trotzdem ansehen.
Diese Zensur löste in der deutschen Blogosphere einen Sturm der Entrüstung aus, welcher sich immer weiter fortsetzt! Flickr Foren werden mit tausenden Nachrichten vollgepostet, Anti-Zensur-Gruppen sprießen wie sonst was aus dem Web, Banner-Kampagnen wie "Zensur-Nein, danke!" beherrschen das Bild vieler Blogs. Denn bevormunden lassen will sich hier keiner: "Allein die Tatsache, dass Flickr meint, mich vor dem Anblick irgendwelcher Fotos schützen zu müssen, oder mir gar meine eigenen Fotos vorenthält, wenn sie als 'unsafe' bewertet wurden, finde ich ziemlich erschütternd", so Felix Schwenzel, Blogger von wirres.net
Der Grund für diesen Skandal um Flickr ist, wie oben angedeutet, die deutsche Rechtslage. Denn das deutsche Forenrecht besagt, dass der Betreiber für Äußerungen Dritter, welche vielleicht unrechtmäßig sind, haften muss. Als Äußerungen zählen auch Kommentare und Bilder - Flickr hat also die Pflicht, zu prüfen, was wohl das Ziel dieser Zensur sein dürfte. Durch die Softwarelösung geht man einer menschlichen Moderation aus dem Weg. Arne Trautmann, Anwalt für IT-Recht, sieht es als "Feigenblatt, um zu sagen, man habe die Pflicht wahrgenommen."
Somit hat Flickr keine Schwierigkeiten deutsche Moderatoren zu finden, welche aber vielleicht auch gar nicht mehr benötigt werden. Denn neben dem Protest gegen Flickr sind viele schon längst von dem Web 2.0 Service der ersten Stunde losgekommen, und nutzen Alternativ-Dienste.
Ob die schwammigen Entschuldigungen seitens Flickr/Yahoo Wirkung zeigen werden, und ob Flickr seinen Ruf wiederherstellen kann, ist ungewiss.